Mainova-Info zur Fernwärme: "Ja, das ist jetzt blöd gelaufen"

Die Mainova-Vertreter, die sich am Donnerstagabend im geräumigen Hörsaal des Biozentrums eingefunden hatten, waren sichtlich verblüfft. Sie hatten für die Infoveranstaltung zu den Neuerungen bei der Fernwärme mit deutlich mehr Riedbergern gerechnet. Schließlich geht es ums Geld - in einigen Fällen um viel Geld. 

Möglicherweise hatten viele Eigentümer von dem wichtigen Termin auch gar nichts mitbekommen, schließlich fand sich die Einladung für die meisten als unterster Punkt einer nicht persönlich adressierten Mainova-Postwurfsendung. Auf diese unglückliche Art der Kommunikation angesprochen, ernteten die Zuhörer ein "Wir wollen uns verbessern und sind für Hinweise dankbar." Auch als es thematisch ans Eingemachte ging, räumten die Mainova-Vertreter Fehler in der Vergangenheit ein, doch jetzt wolle man alles besser machen und daher nun auch die Informationsoffensive. 

Doch worum geht es eigentlich genau? 

Die Mainova hat zum Jahreswechsel den Grundpreis für Fernwärme verdoppelt, dieser richtet sich nach der von den Eigentümern bestellen kW-Leistung. Die Kosten für die variablen Verbrauchswerte wurden reduziert. Insgesamt stiegen die Kosten jedoch zum Teil beträchtlich. Ein grundsätzlicher Kritikpunkt: Energiesparen ist mit diesem Preismodell nicht mehr attraktiv. 

Als Einsparungsmöglichkeit schlägt die Mainova vor, man solle überprüfen lassen, ob die Anschlussleistung der Fernwärmestation nicht zu hoch eingestellt ist. In einem Informationsblatt wird dazu auch eine Faustformel mitgeliefert. Kurz gesagt: Wer einen Jahresverbrauch von 14.000 kWh hat, sollte mit einem 10-kW-Anschluss auskommen.

Hauptdiskussionspunkt am Donnerstagabend: An vielen Häusern ist diese Anschlussleistung viel zu hoch und dies hätte die Mainova anhand des tatsächlichen Verbrauchs auch wissen müssen. Sie hat die Kunden aber über Jahre hinweg nicht darüber informiert. Anwesende berichteten sogar, dass ihrem Wunsch nach Reduzierung vor Jahren nicht in vollem Umfang entsprochen wurde. Warum auch handeln, wenn die Anschlussleistung ja bezahlt wird. An dieser Einstellung hat sich bei der Mainova erst jetzt etwas geändert, denn nun hat das Unternehmen plötzlich ein Eigeninteresse. 

"Wir möchten die Anschlussleistung optimieren, weil wir ein eigenes Interesse daran haben", so die Ansage am Donnerstagabend. Die bisher am Riedberg genutzten Anschlussleistungen werden an anderen Stellen im Mainova-Netz benötigt, Umverteilung ist also angesagt. 

Ja, im Kommunikationsprozess sei das "tatsächlich blöd gelaufen", aber man könne ja nicht wissen, ob ein geringer Verbrauch nicht auch mit einem Leerstand einer Immobilie zu erklären sei. Zudem habe die Mainova lediglich das geliefert, was der Kunde einst bestellt habe. Wer da - wie in vielen Fällen am Riedberg offenbar Standard - die 20 kW-Leistung pro Eigenheim bestellt hat, lässt sich meist nicht mehr herausfinden. Oft seien das die Architekten, Bauträger oder die für den Bau zuständigen Installationsfirmen.

Fakt ist, dass viele Riedberger Familien über Jahre hinweg für viel zu hohe und nicht benötigte Anschlussleistungen bezahlt haben. 20 kW-Anschlussleistung bei einem Verbrauch von teilweise weniger als 10.000 kWh - bei einer solchen Überversorgung kommen einige der am Donnerstag Anwesenden auf mehr als 2.000 Euro, die sie in den vergangenen Jahren zuviel bezahlt haben. Auf eine Rückzahlung dürfe man allerdings nicht hoffen. Eine entsprechende Nachfrage aus dem Publikum wurde mit einem klaren "Nein" quittiert. 

Im Info-Blatt der Mainova heißt es übrigens, man soll einen Energieberater oder Heizungsinstallateur mit einer Heizlastberechnung beauftragen, damit die Anschlussleistung optimal eingestellt werden kann.
Das ist aber nicht notwendig.
Wenn man den Eindruck hat, dass die Anschlussleistung zu hoch ist, kann man sie auf eigene Verantwortung reduzieren lassen. Eine Mail an die Mainova genügt. Die Umstellung erfolgt dann durch die Tochtergesellschaft "Netzdienste Rhein-Main". Service-Telefon: 0800-589 45 68

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